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Papierdruck

Nach dem hier beschriebenen Verfahren kann man mit ganz einfachen Mitteln - an Werkzeugen ist nur eine Schere nötig - hübsche und künstlerisch wirkenden Bilder drucken.

Man braucht dabei zur Herstellung eines Druckstocks kein Metall, dessen Bearbeitung dem Bastler zu schwer fallen würde. Auch die Anwendung von Holz, Linoleum oder Kork, die in den entsprechenden Druckverfahren Verwendung finden und keineswegs sehr einfach zu behandeln sind, ist zu vermeiden.

Es genügt schon gutes Papier von genügender Dicke, das wir durch Präparieren widerstandsfähiger machen. Als recht geeignet erweist sich das so genannte "Tonpapier", das in verschiedenen Farbtönen bei Schreibwarenhändlern und in den Zeichenbedarfsgeschäften für Schulzwecke vorrätig ist. Wir wählen uns einen Bogen, der ziemliche Papierstärke aufweist und durch seinen helleren Farbton einen guten Untergrund für die anzubringende Zeichnung bietet, also nicht etwa schwarz oder dunkelgrau, sondern hellbraun oder hellrot und ähnlich lichte Tönung.

Auf dieses Papier zeichnen wir mit Bleistift (nicht Tintenstift!) den zu druckenden Entwurf auf. Er muss durch seine Ausführungen dem verwendeten Material angepasst sein, einen Bedingung, die ja  bei allen anderen Druckverfahren gleichfalls vorliegt. So kann man beispielsweise ein Bild mit feinen Linien nicht in Linoldruck reproduzieren, weil das Material ausbricht, und wir müssen auch im vorliegenden Falle unseren Entwurf der Natur des Papieres gemäß möglichst flächenhaft gestalten. Seine Einzelheiten, namentlich wenn sie frei abstehen, sind zu vermeiden, weil sie während des Druckens weich werden und dann abbrechen. Gerade durch größere Anpassung an die Eigenart des Materials erreicht man hier wie bei jeder anderen Technik die rechte künstlerischer Wirkung.

Die abgebildeten Druckbeispiele geben davon einen besseren Begriff als viele Worte. Sie zeigen Beschränkung auf die wesentliche Linie und führen auch vor, wie ab stehende Bildstücke durch Einfügung in einen Rahmen gesichert werden können. Dann entstehen markenartige Gebilde, deren gute Wirkung in den Abbildungen gar nicht voll zur Geltung kommt, weil die Farbunterschiede der Reproduktion fehlen. Der Rahmen ist natürlich nicht in jedem Fall erforderlich. Ob man ihn weglassen soll oder nicht, und wie man die Einzelheiten des Motivs auf die wesentlichen Züge vereinfacht, das kann nicht mitgeteilt werden; das muss vielmehr dem Geschmack des Lesers überlassen bleiben. Für den Anfang wird man möglichst einfache Bilder und noch nicht zu groß bemessene Bilder herstellen, weil eine gleichmäßige Verteilung der Druckfarbe auf größerer Fläche für den Anfänger nicht leicht ist.

Bei Bildern im Rahmen und mit Einzelheiten im Bildumriss (Abbildung 1, Beispiel a und b) schneidet man zuerst diese heraus und erst zuletzt die äußerste Rahmenlinie.

Abbildung 1 Das Handwerkszeug für den Papierdruck

Wir können mit dem ausgeschnittenen Bild gleich an das Drucken gehen. Besser ist es aber, wenn wir den Schnitt erst härten, indem wir ihn mit Leinölfirnis tränken. Wir schütten auf eine Untertasse etwas von der dicklaufenden Flüssigkeit und legen den Schnitt so hinein, dass alle Teile bedeckt sind. Ist er gut durchtränkt, so nehmen wir ihn wieder heraus, lassen den überflüssigen Firnis abtropfen und lassen den Schnitt aufgehängt trocken. Wenn er ganz trocken zu sein scheint, legen wir ihn zwischen zusammengefaltetes Seidenpapier und drücken mit streifenden Finger den etwa noch vorhandenen Rest an Leinölfirnis heraus.

Die so entstandene Matrize (siehe Bild oben: a1 und b1) muss ziemlich steif sein; wenn wir mit ihrer Starre nicht zufrieden sind, legen wir sie lieber noch einmal in die Härteflüssigkeit und versuchen, ob nicht das Papier noch weitere Leinölfirnis einsaugt. Da das derart zubereitete Papier die Druckfarbe nur schlecht annimmt, streichen wir die Druckseite mit feinen Kreidestaub ein, der dann der aufzulegenden Farbe Halt gibt.
Als Druckfarben (Bild oben: T.) genügen einfache Wasserfarben, wie sie in Tuben käuflich sind. Es gibt auch besondere Druckfarben (Japanaqua, Günther Wagner, Hannover), die nicht teuer sind, die Druckarbeit recht erleichtern und schöne Abzüge ergeben.

Zuerst benutzen wir die schwarze Farbe. Zum Auftrag brauchen wir einen "Tampon", einen kleinen Ballen Watte von Nuss-bis Pflaumengröße, der zunächst in weiches Schreibpapier und dann in einen weißen Leinwandfleck eingehüllt wird. Wir schnüren ihn durch einen Bindfaden ab, so dass ein Knebel nach dem Bild oben: B entsteht. Die Papiereinlage verhindert das Eindringen der Druckfarbe ins Innere des Tampons, was Verkleben der Watte zufolge hätte. Noch besser als gewöhnliches Papier ist so genanntes "Japanpapier", das weich und dabei doch außerordentlich zähe ist. Auch Pergamentpapier, wie es zum Verschließen von Einmachtöpfen verwendet wird, können wir benutzen, wenn wir es erst durch nachdrückliche Knittern etwas schmiegsamer gemacht haben.

Nun drücken wir aus unserer Tube etwas Farbe auf ein Holzbrettchen (H. in Bild oben) und färben durch mehrmaliges Niedersetzen die untere Fläche des Tampons möglichst gleichmäßig ein. Die Farbe wird also dick benutzt, wie sie aus der Tube kommt. Später kann es vielleicht notwendig sein, dass wir einen Tropfen Wasser - aber nicht viel mehr -zugeben. Wenn zu viel Wasser zugesetzt wird, zerweicht uns bei öfteren Abziehen der Druckschnitt und überdies fließt dann das Druckbild leicht aus.

Wie man die Matrize einfärbt

Das Bild oben führt das Einfärben der Matrize vor: wir halten sie mit dem Zeigefinger der linken Hand fest und übertragen mit dem Tampon die Druckfarbe durch leichtes Tupfen auf die Matrize. Dabei verdrehen wir die Hand mit dem Tampon immer etwas in Richtung des eingezeichneten Pfeiles, weil auf diese Weise unser Tampon wieder leicht abgenommen werden kann, ohne an der Matrize kleben zu bleiben. Dass ein gut Teil der Farbe auf die Unterlage kommt, ist nicht zu vermeiden. Wir verwenden als solche eine alte Zeitung, der es ja nichts schadet, wenn sie voller Flecken wird.

Haben wir auf diese Weise die Matrizenfläche gleichmäßig mit Farbe versehen, so nehmen wir den haltenden Finger von der noch farbfreien Ecke, setzen auf sie unseren Tampon und nehmen ihn dann samt der anhaftende Matrize hoch. Jetzt können wir die Matrize zwischen zwei Fingern fassen, wobei wir nur die äußeren Schnittflächen des Papiers berühren, also in ähnlicher Weise, wie man fotografische Platten anfasst, deren Fläche ja auch nicht berührt werden soll. Wie legen die eingefärbte Matrize auf eine reine, saugende Unterlage (Seidenpapier!), Farbseite nach oben, und können mit dem Abdruck beginnen.

Als Druckpapier ist für den Anfänger Schreibmaschinenpapier (nicht Durchschlagpapier!) geeignet, das die Druckfarbe gut aufnimmt. Wir haben mehrere Stücke von entsprechender Größe schon vorher in eine Schüssel mit Wasser getaucht und die nassen Blätter dann zwischen Zeitungsseiten gelegt. Wenn wir jetzt das Druckpapier herausnehmen, muss es noch feucht sein, darf aber auf seiner Fläche keine Stellen zeigen, die noch vom Wasser glänzen, da an solchem beim Druck die Farbe auslaufen würde. Wir können das etwa noch überschüssig vorhandene Wasser entfernen, indem wir mit einem reinen Taschentuch das Druckbild leicht abtupfen. Dann legen wir es vorsichtig auf die eingefärbte Matrize, jede seitliche Verschiebung vermeiden. Hat das Druckblatt einmal eine Stelle der eingefärbten Matrize berührt, so dürfen wir seine Lage nicht mehr ändern. Nun drücken wir mit dem Daumenballen auf die uns zugekehrte Seite des Druckblatts und pressen es möglichst fest auf die Matrize. Dabei müssen die Umrisse des Schnittes deutlich und scharf unter dem ausdrückenden Finger heraustreten.

Wenn wir glauben, dass die Matrize gleichmäßig Farbe abgegeben hat, lüften wir, vorsichtig an einem Eck beginnen, das Druckblatt, während die andere Hand Matrize und Abzug fest zusammen presst. Stellt sich heraus, dass noch einzelne Stellen des Abzuges nicht gleichmäßig eingefärbt sind, so legen wir den aufgenommenen Teil des Druckblattes wieder an die Matrize und suchen durch neuerliches Drücken mit dem Finger die noch fehlerhaften Stellen zu verbessern. Wenn wir mit dem Abdruck nach abermaliger Probe zufrieden, so ziehen wir langsam das Druckblatt von der Matrize ab.

Kleine Mängel können leicht behoben werden, indem wir mit einem sanft geführten Zündhölzchen von farbreicheren Stellen die Druckfarbe auf etwa noch ungedeckt gebliebene Stellen übertragen. Dagegen empfiehlt es sich meist nicht, das Hölzchen mit Farbe vom Druckbrettchen H zu versehen, da derart ausgebesserte Fehler sich am fertigen Druck meist von ihrer Umgebung abheben und so die Korrektur verraten.

Endlich nehmen wir noch einen Bogen reines Seinpapier zur Hand, legen ihn auf den noch nassen Abzug und streichen wieder mit dem Daumenballen sanft über die bedeckte Druckfläche. Das Seidenpapier nimmt die noch überflüssige Farbe ab, und jetzt muss ein Abzug mit gleichmäßigem Farbton bleiben. Schwarz darf nicht so tief sein, sondern soll einen mehr bräunlichen Ton bekommen. Wenn der Abzug nach Abnahme von der Matrize Stellen aufweist, die zu starken Farbauftrag zeigen, so wie legen wir zuerst diese nassen Stellen trocken, indem wir das Seidenpapier nur leicht andrücken, dann entfernen und neuerdings - mit einer frischen Fläche natürlich! - anlegen, bis diese farbreichen Flecke gleichen Farbgehalt wie ihre Umgebung zeigen. Wollten wir den Seidenpapierbogen gleich mit ganzer Kraft auf solch farbreiche Abzüge legen, so würde die überschüssige Druckfarbe auslaufen und der Druck würde durch klecksige Umrisse verunstaltet.

Diese Nacharbeit mit dem Seidenpapier erhöht die Schönheit des fertigen Druckbildes, muss aber mit viel Vorsicht und Überlegung durchgeführt werden. Auch darf man das Verfahren nicht zu lange ausdehnen. Sonst kann es - namentlich bei Verwendung gewöhnlicher Wasserfarben zum Druck - vorkommen, dass das Seidenpapier an dem allzu trocken gewordenen Abzug anklebt und die bisher angewandte Mühe vergebens war. Zuletzt beschneiden wir noch den Abzug bis auf einen schmalen Papierrand und damit ist der Druck fertig (Siehe Bild ganz oben: a 2).

Fassen wir die notwendigen Tätigkeiten noch mal zusammen:
1. Schneiden der Matrize.
2. Härten in Leinölfirnis und Einreiben mit Kreidestaub.
3. Einfärben des Tampons.
4. Einfärben der Matrize.
5. Anlegen des gewässerten Druckpapiers.
6. Probe auf Reinheit des Drucks.
7. Abnehmen des Abzugs und Nacharbeit mit Seidenpapier.

Das vorstehend grundsätzlich beschriebene Verfahren kann natürlich auf verschiedene Art geändert und ausgebaut werden. Die einfachste Ausgestaltung erfährt der fertige Druck, wenn wir einzelne Stellen des Abzugs ausmalen (sie Bild ganz oben, a 3), eine Bereicherung, die beispielsweise die Drucke in mittelalterlichen Büchern so reizvoll macht. Aber wir brauchen auch vor dem "Zweiplattendruck" (Abbildung ganz oben: 1B) nicht zurückschrecken, wenn wir erst einmal an einfachen Arbeiten eine gewisse Geschicklichkeit erworben haben. Erst werden wir uns auf einen gedruckten Untergrund beschränken, wie ihn Bild oben, b4 zeigt. Dort wurde erst der einfache Schnitt b2 aufgedruckt (Abzug siehe Bild unten) und über diesen kam dann das Bild des Elefanten (b1).

Einige Beispiele von Reihendrucken, farbigen und mehrfarbigen Drucken

Später können wir auch in der zweiten Platte entsprechende Flächen ausschneiden. Das fertige Bild weist eigentlich drei Farben auf: den Ton des Druckgrundes und die Farbe der ersten und der zweiten Matrize. Eine derartig ausgeführte Marke wirkt sehr gut, verlangt aber nicht bloß erhöhtes technisches Geschick, sondern auch guten Geschmack und etwas künstlerische Begabung.

Natürlich steigern sich mit wachsender Ausgestaltung des Druckes auch die Schwierigkeiten. Der Anfänger soll daher mit einfachen, einfarbigen Drucken beginnen, und durch eine möglichst schlichte Linienführung Schnitt und Druck erleichtern. Ihr einfacher der Entwurf, desto besser die Bildwirkung.

Auch darf man die Matrize weder zu groß noch zu klein schneiden. Im ersten Falle wird auf die Farbverteilung auf der Druckfläche nicht gleichmäßig, so dass der Papieruntergrund an allzu vielen Stellen herausschaut. Nimmt man aber das Format zu klein, so verliert die Linienführung an Schärfe, weil die Druckfarbe ein klein wenig über den Matrizenrand tritt, so dass bei sehr eng bemessenen Innenstücken des Entwurfs gegenüberliegende Schnittstücke zusammenfließen, wobei zu mindesten die Bildwirkung verfälscht wird. Genaue Richtlinien für die Ausmaße der herzustellenden Drucke können hier nicht gegeben werden, da die Größe des einzelnen Druckes zu sehr von dem Objekt der Darstellung aber auch von der Geschicklichkeit des Arbeitenden abhängt.

Muster eines farbigen Papierdruckes (Siegelmarke) in Originalgröße

Die Abbildung oben bringt einen Druck in Orginalgröße, dessen Ausmaße auch einem Anfänger keine Schwierigkeiten bieten dürften.
Schon der Einfarbendruck, zudem nur eine einzige Matrize notwendig ist, kann durch Verwendung eines getönten Druckpapiers recht wirkungsvoll gestaltet werden. Aber da man dann das hier empfohlene Schreibmaschinenpapier nicht benutzen kann, muss man sich erst überzeugen, wie das betreffende Papier die Druckfarbe annimmt.

Man wird solche Papiere oft nach dem Rezept japanischer Holzschnittdrucker vorbereiten müssen, die das Druckpapier einweichen und dann eine Nacht über zwischen feuchtes Papier - wir nehmen Zeitung - legen. Dadurch erhält man völlig durchgefeuchtetes Material, das die Farbe sehr willig annimmt und gleichmäßig getönte Druckflächen ergibt.

Recht ansprechend nehmen sich Reihungen einfacher Drucke aus, wie eine solche in Abbildung 3 (Beispiel B) gezeigt ist. Als Druckgrund wurde hier Stoff verwendet, der die Farbe so gut erfasst, das sich Anfeuchten der Druckfläche erübrigt. Abbildung 3 bringt auch verschiedene Anwendungen des auf Papier gedruckten Bildes.

Mit diesem Beispiel seien die vorliegenden Ausführungen beschlossen, da es sich hier in erster Linie um die technische Seiten solcher Verfahren handelt. Die künstlerische Auswertung des beschriebenen Verfahrens muss dem Einzelnen überlassen bleiben. Wer sich etwas Mühe gibt und dazu noch über einige Begabung verfügt, wird seine helle Freude an diesen Arbeiten erleben.

Früher was sonders in Schülerkreisen beliebt, die Kameraden mit "Visitenkarten" zu beschenken, die man mithilfe einer kleinen Druckerpresse hergestellt hatte. Das ist heute nicht mehr modern! Aber da wäre doch sicher der Papierdruck in viel höherem Grade berufen, eigene Geschicklichkeit und guten Geschmack in der Herstellung von Gedenkblättern und namentlich von Exlibris zu erweisen. Auch den älteren Bastlern ist die letztgenannte Ausnützung des Papierdruck für ihre Bibliothek sehr zu empfehlen. Selbst gezeichnete und gedruckte Exlibris und Briefsiegelmarken haben besonderen Wert.



Beispiel eines etwa schwierigeren Papierdruckes. Auch dieses Blatt bringt die künstlerische Eigenart des Verfahrens gut zum Ausdruck



 



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